Die drei Phasen zur Selbstliebe

Wie oft schon haben Sie anderen zuliebe verzichtet? Und wie oft hatten Sie hinterher das Gefühl, dass es niemandem auffällt, geschweige denn es Ihnen gedankt wird?

Wie oft haben Sie schon JA gesagt obwohl Sie eigentlich NEIN sagen wollten und wie oft haben Sie es hinterher bereut, weil Sie sich am Ende ausgenutzt fühlten?

Und die dritte Frage, um die Sie nicht herum kommen ist: Wie oft waren Sie dabei bewusst und hatten gar ein gutes Gefühl dabei? Oder dachten Sie, dass Sie keine andere Wahl hatten? Vielleicht hatten Sie sogar Angst als Egoist bezeichnet zu werden, dem andere egal sind und der kaum oder keine Empathie für andere hat. Jemand der sich selbst am Nächsten ist und dem andere gleichgültig sind, mit dem will niemand befreundet sein, also sagen Sie mit Sicherheit eher JA als NEIN. Gedankenscheiße. Also ehrlich, glauben Sie auch an den Osterhasen?

Und wem ist überhaupt damit geholfen, wenn Sie aus Angst davor als Egoist bezeichnet zu werden, sich selbst vernachlässigen und gleichzeitig das Gefühl haben, dass jeder das, was Sie tun, als selbstverständlich abtut? Wie geht’s ihrem inneren Kind?

Und nachdem Sie das jetzt alles gelesen haben: „Wie geht es Ihnen jetzt damit?

Wollen Sie immer noch zuerst an andere denken?

Ich war mal genauso unterwegs. Ich konnte mich gut in andere einfühlen, nahm meine eigenen Grenzen und Bedürfnisse aber nicht angemessen wahr. Mir war es wichtig, dass jeder aus meinem Umfeld das Gefühl hatte, dass ich da bin, egal was ist und alles dafür tun werde, um das Vertrauen der anderen in mich nicht zu verlieren.

Dann bin ich aufgewacht. Zum ersten!

Und es hat gekracht. Ich bin zusammen gebrochen und haben jedem in meinem Umfeld einen Vorwurf gemacht. Ich habe nicht auf mich geachtet und mein inneres Kind verachtet, nur um von den anderen wahrgenommen zu werden als selbstloser Helfer in großer Not. Ich wütete rum, wie ein Knallfrosch und alle wirklich alle verstanden mich nicht. Schlimmer noch, sie ließen mich im Stich. Keiner mag einen Wüterich. Und dabei wollte mein inneres Kind doch nur gesehen werden. In meinem Tunnelblick war ich komplett ego- zentriert, ich sah nur mein Leiden und ganz alleine mich. Und jeden, der mein Selbstbild bestätigte, den verfluchte ich. Ich redete schlecht über sie in der Öffentlichkeit, nur um mich besser zu fühlen. Aber wirklich besser ging es mir dadurch nicht. Nur währenddessen bildete ich mir ein, mehr Wert zu sein, deswegen sah ich mich auch im Recht das zu sagen. Und jeder der mir widersprach, wurde von mir belehrt. Mit der Zeit distanzierten sich immer mehr Menschen von mir. Und irgendwann war ich dann allein. Ich wollte nicht mehr leben. Und ich malte mir schon in Gedanken aus, dass niemand zu meiner Beerdigung kommt, weil ich ja absolut nichts wert sein kann.

Dann erwachte ich zum Zweiten mal.

Und dann machte es Boom. Mein Ego machte Zoom und ich erhob mich über andere. Ich dachte fortan nur noch an mich. Ich nahm mir, was mir meiner Meinung nach zustand und jeder der mir in den Weg kam, wurde aus meinem Leben verbannt. Ja ich brach Kontakte ab. Und irgendwann dann, war ich bis auf einen langjährigen Freund mutterseelenallein. Und ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich recht ungeniert. Der Anfangs so selbstlose Helfer, der es allen recht machen wollte und sich auch so verhielt, verwahrloste, verbitterte und Gefühle wurden wegrationalisiert. Ich war im permanenten Abwehrmodus. Ich verlor mich in Traumwelten und im Internet hielt ich mich für Gott. Denn ich weiß es ja eh und dann auch viel besser.

Und dann kam Zusammenbruch Nummer drei.

Ich habe versucht mich umzubringen. Ich hasste mich, die ganze Welt und wurde bitter. Ich war im Dauergewittermodus. Und ich glaubte nie, dass mich jemals verstehen würde und von meinem Leid befreien würde. Ich glaubte immer, dass es diesen einen Menschen irgendwo geben würde. Und jeder der es gut mit mir meinte, wurde idealisiert. Ich verliebte mich jede Woche neu, immer in den, der mir am meisten Aufmerksamkeit schenkte. Und statt mich auszuruhn oder auf jemanden einzulassen, suchte ich rastlos weiter. Kein Fick war gut genug um mich bei Laune zu halten. Und dann noch diese scheiß Angst ausgenutzt und verarscht zu werden. Und dann tat ich unbewusst genau das, was ich anderen vorwarf und am aller meisten befürchtete. Die Selbsterfüllende Prophezeihung spielte sich in Dauerschleife ab. Und jedes Mal suchte ich nach der Schuld im Außen. (Das tut unser Gehirn übrigens jeden Tag, unbewusst ohne dass wir es merken.) Die Abwehr jeglicher Schuldgefühle und die Projektion dieser vernichtenden Gedanken, passiert automatisch. Als Kind schon wurden wir darauf programmiert. Angst ist ja nicht immer etwas Schlechtes. Aber es hindert einen an der Kontaktaufnahme zum inneren Kind. Denn entweder sind die anderen schuld, oder aber wir haben gerade keine Lust uns mit dem Thema auseinander zu setzen. So war ich auch unterwegs.

In der Schematherapie wurde ich mit den Bedürfnissen meines inneren Kind konfrontiert. Und es tat weh, zu erkennen, was ich im Grunde selbst zu verantworten hatte, aber niemals wahr haben wollte. Ich hab daran zwar keine Schuld, aber auch niemand anders war so wirklich schuldig daran. Meine Mutter wusste es nicht besser (Woher denn auch?) und auch ich war lange auf dem Holzweg. Denn wenn ich es besser gewusst hätte, hätte ich es sicherlich auch besser gemacht oder etwa nicht?

Theorie ist nicht Praxis und die Umsetzung neu erlernter funktionaler Strategien dauert auch seine Zeit. Aber ich ließ mich darauf ein. Ich ließ mich darauf ein, weil ich es mir wert bin, weil mein inneres Kind es mir wert ist und weil ich ganz allein dafür verantwortlich bin. Nur ich allein kann mir das geben, was ich brauch. Niemand anders kann das schaffen. Selbst meine Dualseele (an die ich persönlich nicht mal glaube) ist nur für sich selbst verantwortlich. Also nichts gegen Leute, die an die Dualseelensache glauben, ich tue es nicht. Aber ich glaube an mich. Und ich glaube an meinen Weg. Diesen Weg gehe ich. Die Fußstapfen anderer sind jedenfalls nicht dazu da um in diese hineinzutreten.

Ich habe mich bewusst dafür entschieden, von nun an zu aller erst für mich zu sorgen. Selbstfürsorge ist Trumpf und Egoismus ist gesund. Solange niemand unter mir leidet (Achtung Selbstverantwortung!), solange bin ich mir keiner Verantwortung für andere bewusst. Ich bin schließlich nur für mein Leben verantwortlich- und was andere daraus machen ist nicht meine Baustelle.

Seither achte ich darauf, auf mich selbst zu achten. Es gibt Tage, da erlaube ich es mir nur an mich zu denken. Ob ich jetzt nur ein Eis esse oder komplett wellnesse spielt dabei keine Rolle. Es ist meine selbst eingeführte Qualitytime, also meine Lebenszeit in der ich in meiner Lebenswirklichkeit an mein inneres Kind denke. Und das dürfen oder können sie auch.

Ist das jetzt egoistisch?

Eine Achtsamkeitsübung. Gehen sie ALLEIN raus ins grüne, riechen sie Gras, legen sich ins Gras und dann gucken sie Wolken. Dabei atmen sie gleichmäßig weiter. Und danach beschreiben Sie wie sie sich fühlen. Danach kaufen Sie sich ein Eis und schlecken langsam Kugel für Kugel. Kaufen sie dieses EIS nur für sich alleine. Genießen sie es, ganz langsam und genüsslich am Eis zu schlecken. Als Kind habe ich Ed von Schleck geliebt 😉

Und dann erlauben Sie sich noch was und noch was und dann stellen Sie sich gerne selbst die Frage: War ich jetzt egoistisch? Und was ist daran schlimm?

Danke fürs Lesen 🙂

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