Die Emanzipation des Mannes


Oder über die eierlegende Wollmilchsau namens Frau

Große Verwunderung, fast schon Entsetzen macht sich bemerkbar. Manche Frauen fordern die Männer heraus. Sie erwarten, dass die Männer wieder mehr zu dem werden, was sie in der Urzeit mal waren. Der Mann soll wieder mehr die Initiative übernehmen, dominanter auftreten und sich über die Frau erheben. Sie wollen kein Weichei, sondern einen Beschützer. Sie fühlen sich genötigt, Dinge zu tun, die aus ihrer Sicht nicht zu ihren Aufgaben gehören. Der Mann verlernt sein Mann-Sein, entwickelt sich dafür vom Neandertaler zum Menschen weiter, lernt lesen, lernt schreiben, zeigt Gefühle, hat Mut zur Schwäche (Stärke), zeigt sich immer mehr von seiner weiblichen, fast schon memmenhaften Seite, findet Zugang zu seinem inneren Kind, seinem Selbst, als hätte er diesen Teil immer verstecken müssen. Eine emanzipierte moderne Frau von heute wird das nicht weiter beunruhigen, wenn sie sich nicht an ihr angelerntes Ur-Verständnis von Frau-Sein klammert und die vor Jahren geforderte und eingeführte Gleichstellung infrage stellt. Gleiche Rechte bedeuten auch gleiche Pflichten. Verantwortung tragen von nun an beide Parteien. Willkommen in der „Moderne“.

Manch einem, dem das zu schnell gegangen ist, dem die Pflichten weniger Annehmlichkeiten bereiten als die allgemeingültigen Rechte, fühlt sich überfordert, beschwert sich, jammert aus Angst, dem Druck nicht gewachsen zu sein, und leidet unter Höllenqualen. Der Mann ist nicht mehr sexy, wenn er Herz zeigt und seine sensiblen Anteile offenbart. Ein Mann hat gefälligst die Frau zu beschützen. Ein wahrer Mann erobert die Frau seines Herzens. Ein Mann tut alles, um die Frau glücklich zu machen. Er versorgt und umsorgt sie, und sie bekommt alles auf Knopfdruck.

Ein echter Mann kennt keinen Schmerz. Ein echter Mann zeigt seine Schwächen nicht. Doch wer entscheidet über Richtig oder Falsch? Wer stellt die Regeln auf? Und wer entscheidet, wie sich ein Mann zu verhalten hat? Ist es der abhängige, schwächere Anteil der Frau, die eine verzehrende Sehnsucht nach ihrer eigentlichen (Opfer‑)Rolle in der Gesellschaft in sich verspürt? Ist es die Frau, die wie eine Prinzessin auf der Erbse behandelt werden möchte, während sie im Fast-Food-Restaurant mit Händen isst, statt, wie es sich gehört (oder auch nicht gehört?!?), nach Messer und Gabel zu fragen? Ist es die Frau, die nicht allein sein kann und sich deswegen genau an den Mann klammert, der gelernt hat, alleine klarzukommen, oder ist es die Frau, die ihre eigenen Erwartungen und Ansprüche nicht erfüllen kann und die Verantwortung dafür der (post‑)modernen Gesellschaft in die Schuhe schieben will?

Und damit beantwortet man(n) sich gleichzeitig die Frage, warum viele Frauen ein Mysterium sind und wohl (leider) auch immer bleiben werden. Manche Frage wird immer eine Antwort nach sich ziehen, die die Frage letztendlich offenlässt. Dafür hat sich durch die Emanzipation der Frau viel zu viel Individualität manifestiert. Leider sehen nicht alle das Potenzial, das dieser (Fort‑)Schritt in die neue (unbekannte) und doch so befreiende Richtung bietet. Es gibt immer noch zu viele Meckerfritzen und Tanten, die in der Vergangenheit leben, weil sie die Zukunft fürchten. Und dennoch ist dieser Weg der richtige. Wie Mahatma Gandhi einst prophezeite: Es gibt nur einen richtigen Weg: deinen eigenen! Aber der eigene Weg ist oft der schwerste – und gerade deshalb der lehrreichste. Der Mensch ist, wie er ist, und somit schließt sich an dieser Stelle der Kreis. Was Männer und Frauen gemeinsam haben, ist, dass sie Menschen sind.

Was ist daran so schlimm, wenn der Mann sich so zeigt, wie er sich fühlt? Gar nichts! Und so ganz neu ist das nun auch nicht. Albert Einstein zeigte Emotionen und wurde für verrückt erklärt. Heute ist er berühmt und für viele ein Vorbild. Selbst König Ludwig XIV., auch Sonnenkönig genannt, gönnte sich so manch weibliche Freude. Wenn man die Bibel richtig interpretiert, übernahm Jesus Christus auch die eher weibliche Funktion, nämlich die Vergebung der Sünden, das Trösten und die Heilung der Kranken. Heute übernimmt das die Krankenschwester. Sie kümmert sich um die Kranken, egal ob diese gesündigt oder gerettet haben. Jeder Mensch hat Mitgefühl verdient.

Die Frau von früher kümmerte sich um Haus, Hof und Nachwuchs. Sie übernahm Tätigkeiten wie Waschen, Bügeln, Kochen, wofür sich mittlerweile sogar Männer begeistern lassen. Fühlt sich die Frau durch die Emanzipation des Mannes entbehrlich? Der Mann hat sich nicht verändert, er hat sich bloß weiterentwickelt und öffnet somit (s)einer Frau das Tor zu einer Welt mit ungeahnten Möglichkeiten. Gleichzeitig lässt er los. Er findet den Zugang zu seinem wahren Selbst. Er lernt sein inneres Kind kennen und lieben, entflieht immer mehr seiner Rolle als Hirte (überkompensierender Narzisst) und übernimmt Verantwortung für sich und sein Handeln. Er lässt sich nicht mehr bemuttern. Er wird selbstständig. Er erkennt seine wahre Männlichkeit. Er weint sogar bei Beerdigungen oder Liebesfilmen, schreibt Liebesromane, erkocht sich Sterne, erfindet Bügeleisen, mit denen auch er bügeln kann, und bezieht (s)ein Bett selber. Dass er nebenher trotzdem arbeiten geht, alten Riten wie der Jagd frönt, seine Hobbys pflegt, zeigt doch nur, wie stolz er darauf ist, sein Potenzial frei zu entfalten.

Mein Appell an die Frauen: Lasst den Mann seinen Weg gehen. Geht mit oder lasst es bleiben. Seid zufrieden und glücklich und hört auf zu leiden. Der nächste Fortschritt steht schon an und lässt sich (leider) nicht vermeiden. Der Krieg ist vorbei und die Me-me-me-Generation ist nicht mehr in. Ergreift eure Chance, euch selbst neu zu erfinden. Ihr dürft ja trotzdem Frau sein (und euch auch so fühlen) und euch Zeit nehmen zum Leben. Niemand hindert euch daran. Und euer Mann ist auch nur ein Spiegel, wie ihr ein Spiegel für ihn seid.

Denn der (post-)moderne Mann von heute, auch Integral-Mann genannt, möchte nicht mehr von Mami abhängig sein. Er möchte aber auch nicht das narzisstische Arschloch raushängen lassen. Er möchte so gerne authentisch sein (zumindest ist das bei mir so). Er untergräbt seine Männlichkeit nicht, wenn er seine weiblichen Seiten zeigt. Er kann sowohl Mann als auch mitfühlend und empathisch sein. Er kann dreckige Witze reißen und trotzdem Sensibilität zeigen. Er möchte beweisen, dass er für sich sorgen kann. Und er zeigt es immer wieder. Wer damit nicht klarkommt, dem ist nicht zu helfen.

Die wahren Helden sind still und leise. Sie haben zu sich gefunden und drehen trotzdem ihre Runden. Oder möchte die Frau weiterhin als eierlegende Wollmilchsau gesehen werden? Wärmen, säugen, Sex haben und sterben – und am Ende nichts darüber hinaus zurücklassen? Ohne Schweiß kein Fleiß, und ohne Fleiß kein Preis. Es gilt also: Nutze deine Chance auf ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben!

aus dem Buch „Ein Narzisst packt aus“

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