Ein Plädoyer für alle Helfer und Helferinnen und deren inneren Kinder

Warum wir gern die Themen anderer zu unseren machen und wie wir vom Gedanken los kommen die Welt der anderen retten zu müssen

Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Lebenswirklichkeit und wenn wir alle achtsam wären, würden wir alle erkennen, wie es wirklich ist und nicht wie wir es manchmal annehmen, was gerade sein kann. Denn oft sehen wir etwas, was gar nicht da ist. Wir sind dann Gefangene unserer eigenen Wahrnehmung. Und da unsere Amygdala permanent im Angstmodus unterwegs ist, wehren wir oft die Tatsache ab sowohl im Irrtum zu sein, als auch die Möglichkeit diesen Irrtum uns vor uns selbst und anderen einzugestehen. Wir haben Angst als der ultimative Versager da zu stehen.

Am Ende geht es uns tatsächlich nur darum, Gutes zu tun, für uns, aber in erster Linie für andere. Da wir dabei in unserer eigenen individuellen Lebenswirklichkeit unterwegs sind und unterschiedliche Auffassungen von Gut und Schlecht haben sind Missverständnisse, Streitereien und selbst Kriege (um auch das große Ganze in Betracht zu ziehen) scheinbar vorprogrammiert.

Niemand möchte streiten (bis auf die Hater, deren Hobby streiten ist- die Cybertrolle obwohl ich mir auch bei denen vorstellen kann, dass die mit Liebe keinen Hass entwickeln müssen), sich missverstanden fühlen, andere missverstehen oder gar im Krieg leben. Wir alle (bis auf besagte Ausnahmen, wovon ich ausgehe) möchten in Liebe und Glückseeligkeit unser Dasein bestreiten. Dass auch hier unterschiedliche Auffassungen von lieben und geliebt werden und was Liebe für einen ist, oder der Frage was Glück bedeutet, bestehen, sind auch hier Missverständnisse vorprogrammiert, wenn wir im Umgang miteinander nicht achtsam sind. Und mitten drin steht eines jeden inneren Kind.

Ja jeder möchte im Grunde nur seinen Teil dazu beitragen, sei es in der Pflege, im Büro, auf Baustelle, dass es ein guter Tag wird. Jeder möchte erhört werden. Und ja auch die Meinung des Praktikanten könne von Bedeutung sein.

Was ich total schön finde, wenn ein gegenseitiger wertschätzender Austausch stattfindet, in der die eigene Lebenswirklichkeit mit der, der anderen gegenüber gestellt wird. Ja jede Meinung ist wichtig. Vier Augen sehen, Vier Ohren hören und 2 Menschen mit Verstand verstehen mehr als ein Einzelner. Ja wir lernen durch Beziehungen. Wir bekommen Feedback. Wir kassieren Lob, wir ernten Anerkennung, manchmal wird es kritisch, aber auch das ist etwas, was uns weiter bringt.

Schön ist es, wenn dabei gemeinsame Schnittmengen und Lebensansichten herausgestellt werden. Denn dann kann Beziehung auf Augenhöhe von statten gehen. Das ist das Schöne daran, wenn wir mit anderen in Kontakt treten. Aber auch Unterschiede haben ihren Reiz und ihre Berechtigung, sich diese näher anzuschauen.

Was dann leider oft passiert ist, (und das zumeist impulsiv und unbewusst) dass manch einer diese Lebensthemen zu den eigenen macht und aus dieser Sicht heraus meint, den anderen retten zu müssen. Denn am Ende meint man es ja nur gut, wobei vergessen wird, dass für jeden Gut und Schlecht häufig etwas Unterschiedliches ist.

Wenn wir dieses Wissen nun aber schon erlangt haben, (oft reicht schon der Satz „Jeder ist verschieden bzw. einmalig“), warum fällt es uns so schwer dies in unseren Beziehungen umzusetzen?

Richtig?

Die Versagensangst. Die Angst nicht gut genug zu sein. Die Angst der andere könnte besser sein, vielleicht sogar die Überzeugung, dass andere besser ist.

Kein Gedanke des inneren Kind. Aber ein Gedanke vom Ego.

Es ist nicht nur die Angst selber zu versagen, sondern auch die Angst davor mit dem eigenen Versagen zum Versagen anderer beizutragen. Wir schwanken ständig zwischen Schuldgefühlen, Angst und Hoffnung hin und her. Wir wollen es am liebsten allen recht machen und vergessen am Ende, den wichtigsten Menschen, der uns anvertraut ist: Uns selbst.

Auch dieser Glaubenssatz „Ich bin schuld, wenn“ ist eine dysfunktionale Annahme unserer eigenen Lebenswirklichkeit. Denn Schuld ist etwas womit sich Gerichte auseinander setzen. Über Schuld oder Unschuld wird im Gerichtssaal entschieden. Das Leben aber ist kein Gerichtssaal. Und dennoch richten wir ständig bewusst oder unbewusst über andere und stellen somit unsere Lebenswirklichkeit über die der anderen. Auch das geschieht aus dem Antrieb heraus, etwas Gutes zu tun. Niemand will bewusst einem anderen schaden (außer eben die Trolle oder Hater), und dennoch passiert dies. Der Schlüssel liegt also in der zwischenmenschlichen Kommunikation verbunden. Das heißt jeder müsste nachfragen, oder lernen nachzufragen, wie es dem Gegenüber geht und was er braucht. Ebenso heißt das aber auch, dass jeder von uns weiß, wie es einem selber geht und was das eigene innere Kind brauch.

Aber weder das eine noch das andere wurde uns als Kind beigebracht. Es war verpöhnt über Gefühle zu reden, es ging darum immer Leistung zu erbringen und Dinge zu tun, weil es sich so gehört, ohne uns zu erklären warum sich das so gehört. Uns wurde also eine Lebenswirklichkeit aufgedrückt in der viele unserer Fragen nicht beantworten wurden. Auch hier möchte ich hervorheben, dass dies nicht auf jeden zutreffen muss. Auf mich aber traf das zu. Und auch wenn es jetzt gerade nicht auf Sie zutrifft, wird es auch Menschen geben (zu denen Sie auch gehören können), die diese Erfahrung mit mir teilen.

Oft wurde über unseren Kopf hinweg entschieden, ohne uns zu frage, wie es uns damit geht, denn DIE meinten es ja nur gut. Sie drückten uns also ihr „Gut“ auf ohne zu schauen, ob es uns auch wirklich gut tut. Das ist auch der Grund, warum viele sich so schwer tun ins Fühlen zu gehen und in die Abwehr gehen, um eben nicht an diesen Schmerz erinnert zu werden, den wir als Kind erlitten haben. Dazu kommt, dass jede nicht befolgte Regel oft eine Strafe nach sich zog oder uns teilweise suggeriert wurde, dass man nun schuldig sei daran, dass es Mama oder Papa schlecht geht.

Aber niemand von uns ist ein Kind mehr.

Jetzt sind wir Erwachsen und jetzt haben wir die Verantwortung dafür, uns selbst und damit auch anderen in Liebe und Achtsamkeit zu begegnen. Ich wünsche Ihnen allen, dass es Ihnen gelingt. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass jeder eine andere Art und Weise hat, dieses oder jenes für sich selber umzusetzen. Und dass jede Lebenswirklichkeit eine Wirklichkeit ist, die es zu akzeptieren gilt. Wenn wir achtsam sind, sind wir tatsächlich in der Lage die Lebenswirklichkeiten der anderen zu akzeptieren, denn auch diese sind wie sie sind. Und sollte Ihnen dieses einmal nicht gelingen, dann denken sie an ihr inneres Kind.

Sie können ihrem inneren Kind gerne öfters einen Kakao machen oder eine andere Freude machen. Sie können ebenso anderen inneren Kindern einen Kakao machen, denn damit retten sie tatsächlich für einen kurzen Augenblick eine ganze Welt.

Und wenn Sie das nächste mal jemanden helfen wollen, fragen Sie sich wie Sie wollen, wie man in diesem Falle mit ihnen umgeht. Auch wenn Sie früher etwas anderes gelernt haben. Jetzt können Sie es (so hoffe ich) eindeutig viel besser. Fragen kostet nämlich nichts. Eine Frage aber verbindet. Es verbindet zwei innere Kinder, denn beide fühlen sich in diesem Moment gesehen und zwar so, wie sie sind. Welch eine Freude fürs innere Kind.

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