Unbewusste Konditionierung- was passiert da eigentlich?

Wir alle waren mal klein und kamen (so steht es in der Bibel oder anderen Fachbüchern) unschuldig auf die Welt. Manche von uns waren kein Wunschkind oder Produkt eines ungewollten Geschlechtsakts. Man kann es auch sexuellen Missbrauch nennen. Und manch einer von uns spürte diesen Unwillen uns zu bekommen schon im Mutterbauch. Die, die uns nicht abtrieben, gaben uns dafür ab oder schafften es nicht eine emotionale Verbindung zu uns herzustellen. Andere suggerierten uns nicht erwünscht zu sein. Schuldgefühle wurden manifestiert. Und wenn wir kein Junge oder Mädchen wurden, trugen wir trotzdem entsprechende Klamotten. Unsere Identität wurde schon früh in Frage gestellt.

Falls das bei Ihnen so sein sollte, wie ich beschrieben habe, dann haben Sie mein Mitgefühl.

Ich fühlte mich unbewusst unerwünscht. Doch eines kann ich Ihnen jetzt schon sagen. SIE und SIE und auch SIE können nichts dafür. Sie tragen keine Verantwortung dafür und ihre Schuldgefühle sind pure Suggestion von Außen. Die Wunde in ihrem Inneren wurde durch das Außen produziert. Meistens fand eine Übertragung statt, also eine transgenerationale Weitergabe. Aber auch dafür können SIE und SIE oder SIE absolut nichts. Es passierte einfach.

Und selbst wenn SIE ihren Erzeugern nicht verzeihen können, bedenken SIE eines, auch diese Menschen sind mal unschuldig auf diese Welt gekommen, ehe sie traumatisiert wurden und genauso wie SIE versuch(t)en sie jeglichen Schmerz und jegliches Schuldgefühl abzuwehren. Und auch dies geschah/geschieht sehr oft unbewusst im Rahmen erlernter Konditionierung durch die Erziehungsberechtigten. Soviel erst mal zur Ausgangslage. Wir alle (und ich meine wirklich alle) kommen vom selben Ort, nämlich dem Mutterbauch oder aus dem Universum.

Das frühe Trauma prägte unser Unterbewusstsein.

Wir alle waren mal klein. 
Und während die elterliche Konditionierung stattfand, lachten wir, tollten wir rum, im Matsch, ja wir durften Kind sein, zumindest die meisten von uns, wir glaubten dies wenigstens.

Ich durfte als Kind die Grenzen anderer austesten ohne gleich die schmerzhaften Konsequenzen zu spüren zu bekommen. Das erste Mal lernte ich jedoch dazu, als ich die heiße Herdplatte berührte. Diese Erfahrung hinderte mich auch nicht daran mir einige Jahre später eine Tackernadel in den Zeigefinger zu tackern oder mir einen Brotkrumen in die Nase zu stecken.. Auch beim Brötchenschneiden rutschte ich ab und schnitt mir in die Hand. Es kam ein Pflaster drauf und manchmal gabs zum Trost einen Kirschlolli. Wir wurden getröstet. Und wir fühlten uns geliebt, weil uns auch gesagt wurde, dass alles wieder gut wird.

Manchmal wurde aber gesagt, dass ein Indianer keinen Schmerz kennt oder wir tapfer sein müssen/ dürfen/ sollen, weil wir ja nicht als Heulsuse oder Angsthase bezeichnet werden wollen. Wer das zu uns sagte, spielt im Grunde keine Rolle. Dass es gesagt wurde aber spielt die oftmals entscheidende Rolle.

Damit fing die erste unbewusste Konditionierung an. Wir glaubten dies. Wir übernahmen den ersten fremden Glaubenssatz.
„Große Kinder weinen nicht“

Nur wer entscheidet darüber, wann wir groß sind oder uns groß und stark fühlen? Sollten wir das nicht selbst bestimmen dürfen?

Werden wir also nur aufrichtig geliebt, wenn wir keine Schwäche zeigen? Empfinden SIE es als schwach, wenn ein kleines oder großes Kind weint? Ist es schwach verletzlich zu sein?

Die Antwort darauf kennen nur ganz alleine SIE, SIE oder SIE. Jeder sieht es anders. Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nur ein „So ist es“ oder „So nehmen SIE (oder ich) es wahr“. Es gibt aber kein so ist es, weil es so sein muss.

Und mal im ernst? Was macht das für einen Unterschied ob wir nun weinen oder lachen? Was ändert das eine oder andere an unserem Wert? Richtig, es gibt keinen Unterschied und wir sind immer wertvoll. Sie sind wertvoll, weil sie wertvoll sind. Ich bin wertvoll, weil ich wertvoll bin.

Und dann kamen Sie oder Ich in den Kindergarten. Das System wollte es so und unsere Eltern fügten sich und wir wurden gezwungen uns zu fügen. Dr. Hans Joachim Maaz ist einer der größten Kritiker der frühkindlichen Krippenbetreuung. Die Beziehung zu den Eltern wird gestört. Im Kindergarten lernt man dann neue Kinder kennen. Die nächste Konditionierung aber findet unmittelbar statt, durch die Erzieher. Wir werden beurteilt und es werden Akten angelegt. Und dann gibt’s den ersten Stempel. „Auffällig“ oder „Unauffällig“ sowie brav und angepasst oder wild und ungestüm und unangepasst“. Das Kinder sind wie sie sind, wird dabei oft vergessen. Kinder sind vielfältig. Kinder brauchen keinen Stempel, aber das System will es so, zumindest wird einem das vermittelt. So landen wir das erste Mal in einer Schublade. Das ist sogar Bestandteil der Ausbildung. Entweder man reißt sich den Arsch für die Firma auf, oder man kommt aufs Abstellgleis und wird ausgetauscht. Dass der Mensch mal einen schlechten Tag erwischt hat, wird selten berücksichtigt. Man muss immer gut sein. Man darf nie zufrieden sein. Und Schlaf wird ja eh überbewertet, das kann man auch, wenn man tot ist.

Mein gesundes Erwachsenen-Ich findet das merkwürdig und höchst fragwürdig. Wie findet IHR gesundes Erwachsenen-Ich das? Haben sie nicht auch gerade Mitgefühl mit ihrem inneren Kind?

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