Warum Therapien manchmal nicht erfolgreich sind

Wer mein erstes Buch gelesen hat, weiß, dass ich mehrere Klinikaufenthalte hinter mich gebracht habe. Und überall traf ich auf Menschen in verschiedenen Lebenssituationen. Auch ich war mal Anfänger und stand vor meinem ersten Klinikaufenthalt. Und jedes Mal konnte ich was lernen. Irgendwann fängt jeder an, sich die Sinnfrage zu stellen oder denkt darüber nach sein Leben in eine andere Richtung zu lenken, weil er ein wenig verrückt bzw., vom Weg abgekommen ist. Und immer wieder treffe ich auf Menschen, die nun schon zum vierten oder fünften Mal innerhalb kürzester Zeit eine Therapie versuchen um in ihrem Umfeld/Leben/Alltag wieder zurecht zu kommen.

Dabei höre ich dann immer wieder Sätze wie: „Ich bin ein Opfer der Gesellschaft“ oder „Das System ist schuld dass ich mich nicht selbst verwirklichen konnte“ Am schlimmsten finde ich persönlich aber den Satz „Ich bin nur Arzt geworden, weil mein Vater Arzt ist und er wollte, dass ich mal seine Praxis übernehme“ Genauso schlimm finde ich den Satz „Ich habe nur studiert, weil meine Eltern das wollten“.

Viele Menschen hinken den Erwartungen hinterher, die ihre Eltern in sie gesteckt oder projiziert haben. Sie haben das Gefühl niemals den Anforderungen gerecht zu werden. Sie leiden unter Versagensängsten, vergleichen sich mit anderen und schaffen sich langfristig ihr eigenes Gegengewicht, was wie an einer Kette hängend, ihnen jeden Schritt erschwert voran zu kommen. Sie gehen ein Schritt vor und haben das Gefühl in Wahrheit zurück zu gehen. Sie glauben weder den Ansprüchen anderer, noch den eigenen zu genügen. Wenn man bedenkt, allein durch den Satz „Er/Sie konnte nur teilweise den Ansprüchen gerecht werden“ im sogenannten Entwicklungs- oder Sozialbericht, dass unser Schulsystem seinen Anteil an diesem Anspruchsdenken hat, stimmt folgender Satz, den ich im Buch „Generation Beziehungsunfähig“ von Michael Nast las tatsächlich: Wir sind Schüler von heute, die in Schulen von gestern von Lehrern von vorgestern mit den Methoden aus den Anfängen der industriellen Revolution auf die Probleme von Übermorgen vorbereitet werden.

Wir wollen uns weiter entwickeln, scheitern aber an unseren Gedanken über unsere Gefühle.

Man könnte diesen Zustand auch als Stimmungsschwankungen der Nachzügler bezeichnen, die ihre Gefühle in der Jugend nie richtig zeigen und ausleben konnten, also sozusagen die späte Pubertät neu erwachender Erwachsener, die nach einigen Niederschlägen in ihrem Leben, dem Ganzen Treiben in ihrem Inneren wieder Glanz verleihen wollen.

Wir wurden alle in ein System hinein geboren, welches auf Leistung und Sicherheit beruht, in der die eigenen Bedürfnisse zwar immer mehr an Bedeutung gewinnen, aber der Spagat zwischen Privatleben und Beruf mit all seinen Tücken seltenst funktioniert. Man selber funktioniert quasi nur noch, wie ein Roboter und irgendwann wird man selbst so kalt wie einer. Alles verläuft nur noch nach Schema F, ganz automatisch und größtenteils sehr unbewusst ab. Man ist in seinem Tun(nelblick)-Modus gefangen.

Dieses System droht immer mehr zu kippen. Die Schere zwischen arm und reich klafft immer mehr auseinander. Menschen kämpfen um Existenzen und unterdrücken ihre Ängste und Sorgen indem sie noch mehr arbeiten. Und dann brechen sie zusammen, während die Politik weiter debattiert statt wegweisende Entscheidungen zu treffen, die der Allgemeinheit zu Gute kommen könnten. Es wird nur noch reagiert, statt agiert und das löst so manche Kettenreaktion aus. Ressourcen werden achtlos verbrannt und die Verantwortung wird trotzdem hin und her geschoben.

Am Ende schauen manche Menschen in den Spiegel und erkennen sich selbst nicht mehr. Denn eigentlich wollten sie jemand anders sein, etwas anderes werden oder eigentlich mehr aus sich machen. Warum aber nur eigentlich? Gehören sie zu den Menschen, die dauernd eigentlich sagen, aber es nicht schaffen, das Eigentliche dann umzusetzen?

Zu dieser oder einer ähnlichen Erkenntnis kommen immer mehr Menschen, die Mitte Vierzig ihre Midlife-Crisis durchmachen, medizinisch und psychologisch betrachtet „Burn- Out“ genannt. Sie sind sinnbildlich in den Graben gefallen der zwischen Ist- Zustand und Wunschvorstellung liegt. Über Ihnen fliegen schon die Geier und warten auf die Beerdigung. Und erst dann wird die Notbremse gezogen.

Sie beantragen eine Reha, verkaufen dies gegenüber Freunden als Kur, gehen aber in Wahrheit in psychosomatische Kliniken um Psychotherapie zu machen, sich auf Antidepressiva einstellen zu lassen, die ihre Stresssymptome und die Angst vorm entgültigen Zusammenbruch mindern sollen, mit dem Ziel geheilt entlassen zu werden um wieder leistungsfähig zu werden. Sie geben an, ihr Leben ändern zu wollen, während sie den Glauben verlieren, wirklich etwas verändern zu können.

Die erste Sitzung beim Psychologen wird zur Zerreißprobe, der nicht jeder stand hält. Wem geholfen werden soll, der muss ehrlich sein, aber nicht jeder kann Hilfe annehmen und nicht jeder traut sich ehrlich zu sein und alles über sich zu erzählen.

Dazu kommt dass jeder neue Patient in eine bestehende Gruppe reinkommt, in der er seinen Platz finden muss. Manchen fällt es leichter sich unterzuordnen, andere tun sich dabei schwer und ziehen sich zurück. Und wer glaubt, dass in Kliniken nicht gemobbt wird, den muss ich eines Besseren belehren.

Sie wollen immer noch dazu gehören und das um jeden Preis. Sie wollen zu den Besten und Beliebten gehören die sich immer wieder optimieren, anstatt zufrieden zu sein über das Erreichte. Wer nicht mithalten kann, ist in ihren Augen ein Versager und vor allem, was sollen die anderen denken? Sie spielen Co- Therapeut und können anderen besser helfen, als sich selbst und glauben dass sie mit ihrer Hilfe eine Heldentat begehen. Sie sind achtsam gegenüber anderen, aber unachtsam gegenüber sich selbst. Und sie fühlen sich oft nur in Gruppen stark, deswegen solidarisieren sie sich mit anderen um sich auf eine Person einzuschießen. Ich habe diese Erfahrung erst kürzlich gemacht und im Strahl gekotzt. Warum nur wird auch in der Klinik gemobbt?

Manche von Ihnen sind teilweise zu verkopft um zu fühlen, zu verplant um sich spontan was Gutes zu tun oder denken, dass sie es nicht verdient haben, weil sie sich entweder potthässlich finden oder sich beim Vergleichen mit anderen stets abwerten oder glauben die eigenen Probleme wären im Ansatz nicht so schlimm, wie die der redseeligen Leute, die ihr Problem quasi auf einem Tablett vor sich her tragen. Sie sind es gewohnt zurück zu stecken, während ihr Tun-Modus unentwegt in Ihnen arbeitet und ihnen suggeriert im Vergleich zu anderen weniger wert zu sein. Dass das, was andere über sie denken könnten in Wahrheit eine Projektion ist, also ein Spiegel ihrer Gedanken über sich selbst, ist ihnen nicht bewusst, weswegen sie sich ständig benachteiligt fühlen und ins Konjunk-Tief sinken und nach Verbündeten suchen.

Andere suchen nach Bestätigung im Außen, reagieren auf Kritik sehr aggressiv und unangemessen, fühlen sich sehr schnell angegriffen oder ecken mit ihrem „Besonderem“ Verhalten an. Auch in der Patientengruppe besteht die Gefahr ausgegrenzt zu werden. Mobbing findet nicht nur Draußen statt, sondern auch Drinnen, sowohl im Außen als auch im Inneren. Viele beziehen das Unbewusstsein der anderen auf sich ohne zu merken, dass auch dies unbewusst geschieht. Sie bemerken die Veränderung nicht währenddessen, sondern erst danach, also wenn sie das Gefühl der anderen, zu ihrem eigenen gemacht haben. Der blinde Fleck ist keine Einbahnstraße und zu einer Beziehung gehören meistens zwei, manchmal sogar drei wobei dann einer zu viel ist.

Sie sind zwar am Anfang dankbar für die Hilfe und geloben Besserung nach dem ihre Verhaltensmodi aufgezeigt wurden, schwören sich gar von nun an alles achtsam oder zumindest besser zu machen, fallen aber sobald sie entlassen werden zurück in alte Muster.

Während sie anfangs noch recht offen auf die Therapieangebote reagierten und scheinbar alles gut zu werden schien, gelingt Ihnen die Umsetzung ihrer Erfolge im Alltag eher selten.

Sie kommen nicht auf die Idee, dass es an Ihnen liegen könnte, sondern sie machen es an ihrem Umfeld fest, doch das Umfeld verändert sich erst, nachdem man sich selbst verändert hat.

Manch einer schafft es nicht ohne Handy und Internet, sich auf die Gegebenheiten einzulassen und fühlt sich von der Außenwelt ausgeschlossen. Das Leben draußen hat nach wie vor Priorität. Das eigene Leben dagegen hat Diät.

Statt sich also auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, sind manche mit ihren Gedanken auf Arbeit oder bei in ihrem Umfeld. Achtsamkeit lernt man nicht zwischen Tür und Angel und auch nicht einfach mal zwischen durch. Therapie erfordert vollste Aufmerksamkeit. Aber wer schon das Vierte Mal in der Klinik ist, wird auch dieses Mal nicht wissen warum er immer und immer wieder die gleichen Erfahrungen macht oder in die alten Muster fällt.

Das alles ist vergleichbar mit der Pubertät in der Jugend. Auch dort machte man viele Erfahrungen immer und immer wieder und man wusste nicht warum. Wer nicht schon in der Jugend das Glück hatte auf seine Muster aufmerksam gemacht zu werden oder einfach nicht gelernt hat zu reflektieren, dem wird es je älter er wird immer schwerer fallen. Aber es ist immer möglich, sowohl Achtsamkeit zu lernen, als auch endlich anzufangen bewusst zu reflektieren.

Im Grunde wäre so eine Therapie/Coaching eine große Chance auf den Neuanfang, die nicht jeder hat, die viele Menschen aber scheinbar nicht nutzen können, zu groß die Angst aufs Abstellgleis zu geraten, aussortiert durch ihre Vorgesetzten und durch jüngere und vor allem unverbrauchte Kollegen ersetzt zu werden und damit die einzige Sicherheit zu verlieren, die sie am Leben hält, nämlich das Gefühl „von anderen“ gebraucht zu werden.

Aber wer brauch Sie mehr als Sie selber?

Auch die Stigmatisierung psychischer Krankheiten trägt dazu bei, dass manche Symptome verschleppt werden und an die nächste Generation weitergegeben werden. Sie machen also weiter wie bisher. Es dauert nicht lange, bis sie das System wieder in Beschlag genommen hat und sie wieder zum Workaholic mutieren, um mithalten zu können, um Erwartungen anderer zu erfüllen, um an jeden und alles zu denken, außer an sich selbst.

Das ganze wiederholt sich einige Male, bis sie schließlich aufgeben und die EU- Rente beantragen, in eine tiefe chronische Depression stürzen sich vom sozialen Leben komplett zurück ziehen, möglicherweise eine Sucht entwickeln oder schlimmstenfalls Bilanz-Suizid begehen. Auch können sie tiefen Hass auf die Gesellschaft entwickeln und diesen an Unschuldigen auslassen. Alltagssadistische Allmachtsphantasien gewinnen an Überhand.

Denken sie gerade, dass ich mal wieder von anderen schreibe, nur nicht über sie selbst? Glauben sie möglicherweise sogar, dass ich meine Erfahrungen auf sie projiziere? Odeŕ geben sie mir recht? Wenn sie mir recht geben, frage ich mich, wie lange sie schon diese Gedanken haben und wann sie anfangen wollen, endlich achtsam mit sich selbst umzugehen? Sind sie gerade erst erwacht oder denken sie schon länger darüber nach, ihre Einstellung zu ihrem Leben zu verändern, fanden nur bislang nicht den optimalen Zeitpunkt, zu beginnen?

Wie lange wollen sie noch in der Pubertät stecken? Wird es nicht langsam Zeit wirklich zu erwachen und aus der Erkenntnis gestärkt endlich Erwachsen zu werden? Wann hören sie auf die Symptome zu bekämpfen und sich stattdessen mit der Ursache auseinander zu setzen?

Ich kann Ihnen nur wärmstens empfehlen ihre Chancen, die sich in ihrer Therapie bieten, wahrzunehmen und umzusetzen, bevor sie mit hätte und würde argumentieren warum es in ihrem Leben nur noch Hürden gibt. Denn wer etwas verändern will, der tut es, der übernimmt Verantwortung, auch wenn er dadurch vielleicht seine Ausreden verliert, mit denen er bislang immer begründen konnte, warum Therapie bei ihm nicht funktioniert.

Mir hat NLP in Kombination mit Hypnose und Achtsamkeit sehr geholfen. Der Weg aus der Angst kann mit Hilfe von Techniken die über die Schulmedizin hinaus gehen gepflastert werden. Auch können sie es versuchen mit der Aktivierung eingestaubter Kindheitserinnerungen oder Hobbys, die sie früher gerne gemacht haben. Ich habe somit immer mehr zu mir (zurück) gefunden. Ob es Ihnen hilft, liegt auch daran wie sehr sie die achtsame Haltung annehmen können und wie ernst es Ihnen ist, ihr Leben endlich nachhaltig zum Positiven zu wenden um endlich das Eigentliche anzugehen, nämlich ihren Wert zu erkennen und um ihr Sein zu genießen.

Ich würde es Ihnen wünschen.

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